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Man schrieb sie überall, wo und wann man nur konnte, in Wohnbunkern und in den Pausen zwischen den Schlachten. Man schrieb sie auf Tapeten, in Schulheften und Geschäftsbüchern…

Handgeschriebene Partisanenzeitschriften wurden gemeinsam mit wichtigen Akten aufbewahrt. Sie enthielten Tatsachen über den Kriegsalltag, berichteten über Kämpfe und Helden. Selbstgemachte „Hefte" wurden lebendig gemacht – durch Illustrationen und witzige Geschichten. Wer eine Zeitschrift in die Hände bekam, las sie in der Hoffnung, dass der Krieg bald zu Ende ist. Diese Hefte gaben Mut. Auch in den Zeiten, wenn man vom Feind hoffnungslos eingekesselt war, konnte niemand daran denken, die handgeschriebenen Zeitschriften preiszugeben – man vergrub sie samt Munition in der Erde oder versteckte in Sackleinen in den Wäldern. Durch das Feuer des Krieges sind diese einmaligen Dokumentationen bis in die Gegenwart erhalten geblieben.
„Frostige Nacht. Harter Boden. Wir müssen mehr mit den Fingern in die Erde graben, weil man mit einem Handbeil kaum weiterkommt… Die Bewachungsmannschaft kommt immer näher. Das schweißige Haar klebt an der Stirn. Glück gehabt – die Faschisten sind an uns vorbei. Ich spüre meine Finger wieder und stecke den Zünder vorsichtig in den Minenkasten. Sachte schüttele etwas Erde darauf und tarne den Sprengstoff..."
SPRENGMEISTER FJODOR BATSCHILO
„Das Risiko war groß, aber der Wunsch, einen feindlichen Militärzug zu sprengen, war größer als die Angst", so beschreibt Fjodor Batschilo in seinem Bekenntnisbuch „Ich lebe weiter" (1981) die Ereignisse von 1942. Als Kommandeur eines Sabotagetrupps der Woroschilow-Partisanenabteilung hat er mehrere Kampfaufträge erfolgreich ausgeführt.
Foto aus dem Museumsarchiv
„Vor der Aufnahme in die Partisanenabteilung hielt Genosse Batschilo einen engen Kontakt zu den Partisanen – er übergab ihnen 16 Gewehre, ca. 10000 Schießpatronen, ein Maschinengewehr und eine Maschinenpistole. Er verbreitete illegale Sowjetliteratur und erfüllte zahlreiche Aufträge, die eine große Bedeutung für die Partisanen hatten."

Aus dem militärischen Gutachten von Fjodor Batschilo, 1944
Der 18-jährige Fjodor Batschilo kam am 29. Oktober 1942 zu den Partisanen. „Eine kurze Zeit später wird er ein ausgezeichneter Sprengmeister" – das geht aus seinem Lebenslauf hervor, der in der auf das Jahr 1943 datierten Zeitschrift „Volksrächer" der 3. Minsker Budjony-Brigade veröffentlicht wurde. Der tapfere Mineur brachte über 20 Militärzüge mit Hunderten Soldaten zum Entgleisen und wurde selbst drei Mal schwer verwundet…
„Das Abteilungskommando schätzte die Arbeit des tapferen Sprengmeisters hoch ein. Es beantragte zum zweiten Mal eine hohe staatliche Auszeichnung für ihn. Fjodor meint jedoch, dass seine Aufnahme in die Bewerberliste für die Kommunistische Partei der Bolschewiki die beste Auszeichnung ist. Fjodor ist nicht überheblich. Er setzt seine Arbeit bescheiden fort, wie es sich für einen Mitgliedskandidaten der Leninschen-Stalinistischen Partei der Bolschewiki gehört."

Zeitschrift „Volksrächer", Ausgabe Nr.2–3, 3. Minsker Budjony-Brigade, Oktober/November 1943
Foto aus dem Museumsarchiv
Zur Information: Der Sabotagetrupp von Fjodor Batschilo brachte 26 feindliche Züge zum Entgleisen. Dabei wurden 18 Dampflokomotiven und über 150 Wagen mit Menschen, Militärtechnik und Munition vernichtet. Es wurden 6 Sprengungen in Michanowitschi (Kreis Minsk) und in Minsk organisiert.
„Die Partei lehrte uns, mutig zu sein. Du bist ihr Musterschüler", so beginnt ein Gedicht, das in der Sammlung „Partisanskaja sorka" von Leonid Albach (Ausgabe der 3. Minsker Budjony-Brigade) veröffentlicht wurde. Es wurde dem Partisanen Batschilo – „dem ersten Sprengmeister der Brigade" – gewidmet.
Foto aus dem Museumsarchiv
„Als Kommandeur einer Sabotagegruppe erlangte er nicht nur beim Kommando und dem Stab, sondern auch bei der Bevölkerung ein hohes Ansehen", geht aus dem militärischen Gutachten von Fjodor Batschilo hervor. „Als Komsomol-Mitglied führte er eine aktive Propaganda in den Dörfern und nahm am täglichen gesellschaftlichen Leben teil."
Porträt von Fjodor Batschilo, Maler G. Brshosofski
Während eines Auftrags wurde Fjodor Batschilo an beiden Beinen schwer verletzt. Nach dem Krieg musste er eine lange Zeit in Krankenhäusern verbringen. Nach der Behandlung nahm er 1949 die Arbeit als Fotokorrespondent in der Zeitung „Tschyrwonaja smena" auf.
Foto aus dem Museumsarchiv
Für seinen Mut und Heldentum wurde Batschilo mit der Medaille „Partisan des Vaterländischen Krieges" ersten Grades und mit der höchsten Auszeichnung der UdSSR, dem Lenin-Orden, ausgezeichnet.
„Die Zeit vergeht, Jahr für Jahr… der Krieg ist längst vorbei, nur die alten Wunden heilen nicht. Und die Erinnerungen sind selbst wie eine Wunde", mit diesen Worten endet Batschilos Bekenntnisbuch „Ich lebe weiter." Er starb 1992, aber sein Name ist für immer in die Geschichte der belarussischen Partisanenbewegung eingetragen.
Zeitschrift „Volksrächer", Nr.2–3, 3. Minsker Budjony-Partisanenbrigade, Oktober/November 1943
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© Belarussische Telegraphenagentur, 2018
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