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Man schrieb sie überall, wo und wann man nur konnte, in Wohnbunkern und in den Pausen zwischen den Schlachten. Man schrieb sie auf Tapeten, in Schulheften und Geschäftsbüchern…

Handgeschriebene Partisanenzeitschriften wurden gemeinsam mit wichtigen Akten aufbewahrt. Sie enthielten Tatsachen über den Kriegsalltag, berichteten über Kämpfe und Helden. Selbstgemachte „Hefte" wurden lebendig gemacht – durch Illustrationen und witzige Geschichten. Wer eine Zeitschrift in die Hände bekam, las sie in der Hoffnung, dass der Krieg bald zu Ende ist. Diese Hefte gaben Mut. Auch in den Zeiten, wenn man vom Feind hoffnungslos eingekesselt war, konnte niemand daran denken, die handgeschriebenen Zeitschriften preiszugeben – man vergrub sie samt Munition in der Erde oder versteckte in Sackleinen in den Wäldern. Durch das Feuer des Krieges sind diese einmaligen Dokumentationen bis in die Gegenwart erhalten geblieben.
DJADJA KOSTJA. BRIGADEKOMMANDEUR
UND HELD DER SOWJETUNION
KONSTANTIN SASLONOW
K. Saslonow und seine Frau Raissa, 1939–1940
Saslonows Ausweis, 1941
Saslonows Notizbuch
Im Herbst 1941 hat eine Diversionsgruppe mit Konstantin Saslonow an der Spitze die Frontlinie überschritten. Von 40 Eisenbahnarbeitern, die sich freiwillig meldeten, aus Moskau in das feindlich besetzte Gebiet gesandt zu werden, haben nur 8 Personen die Stadt Orscha erreicht. Hier konnte sich Saslonow in das Vertrauen der Besatzer einschleichen – er wurde zum Leiter russischer Dampflokomotive-Brigaden ernannt.
Innerhalb von drei Monaten haben die Untergrundkämpfer rund 300 deutsche Lokomotiven und Fahrzeuge zerstört und über 400 Hitlersoldaten getötet. Saslonow wusste, dass er eines Tages Orscha verlassen wird, deshalb fing er an, einen Militärstützpunkt einzurichten.
Foto aus dem Museumsarchiv
Saslonows Pseudonym war „Djadja Kostja" (Onkel Konstantin). Im Juli 1942 ging aus einer kleinen Abteilung durch Neuaufnahmen von in die Einkreisung geratenen Soldaten und Bewohnern naheliegender Dörfer die 1. Partisanenbrigade hervor.
Abteilung von Saslonow, eine Fotokollage
Ansichtskarte mit der Reproduktion des Gemäldes „Konstantin Saslonow" von W. Chrustalew, 1958
Im Herbst unternahmen die Partisanen einen großen Einsatz im Gebiet Witebsk. Er dauerte drei Monate lang. Das deutsche Kommando setzte für den tapferen Brigadekommandeur ein Kopfgeld in Höhe von 50.000 Reichsmark, Eisernes Kreuz und zwei Landgüter zu lebenslänglicher Nutzung aus. Am 14. November geriet Saslonows Brigadestab nahe dem Dorf Kupowat im Kreis Senno in Einkreisung. Im Kampf, der über 4 Stunden dauerte, starb der 32-jährige Kommandeur den Heldentod.
Postkarte mit der Reproduktion eines Gemäldes von J. Saizew
Im Jahre 1943 erhielt Konstantin Saslonow durch ein Dekret des Präsidiums des Obersten Sowjets posthum den Titel „Held der Sowjetunion." Aus seiner Brigade gingen die 1. und die 2. Saslonow-Brigaden hervor.
seine Kämpfer waren Helden zahlreicher Hörspiele, Erzählungen und Poeme. Der Orchester der 1. Saslonow-Brigade und das Partisanenensemble der 2. Saslonow-Brigade spielten das Lied „Djada Kostja." Lieder über Saslonow konnte man oft im Wald, in Häusern oder Unterständen hören.
Auszug aus der Urkunde über die Verleihung des Titels „Held der Sowjetunion" an Saslonow
Saslonows Löffel
Saslonows persönliche Waffe, eine TT-Pistole
K. Saslonow, 1940. Foto aus dem Museumsarchiv
Partisanen der Saslonow-Brigade schenkten im Jahr 1944 dem stellvertretenden Leiter des Belarussischen Stabs der Partisanenbewegung Iosif Ryshikow den literarischen Sammelband „Volksrächer." „In zahlreichen Geschichten über Heldentaten, in Gedichten und Balladen entsteht ein lebendiges Bild von Djada Kostja und anderen Helden", schrieb Brigadekommissar Boris Iwanow in seinem Vorwort zum Band.
„Es naht die Stunde der totalen Niederlage Hitlerdeutschlands, aber heute noch lodern die Flammen des Großen Vaterländischen Krieges. Heute haben wir Waffen in der Hand. So lasst uns den Feind härter treffen! Das soll jetzt das Streben eines jeden Partisanen sein. Und durch jedes Gedicht, durch jede Zeile dieses Sammelbandes müssen sich Partisanen dazu aufgerufen fühlen."

Auszug aus der Zeitschrift „Volksrächer" der Saslonow-Partisanenbrigaden des Witebsker Oblast, 1944
Familie Saslonow, 1946
Buch „Konstantin Saslonow", in belarussischer Sprache. Autoren: F. Popow, S. Schtschuzki, 1951
Wie viele andere künstlerische und publizistische Werke von Partisanen ist auch die Zeitschrift „Volksrächer" zum handgeschriebenen Denkmal des Partisanenlebens geworden. Eines Lebens, in dem die Heldentaten zum Alltag gehörten. Konstantin Saslonow war ein wahrer Held, ihm verdankten viele Brigadekämpfer, später Rotarmisten, ihr Leben. Auch nach dem Krieg wurde der legendäre Brigadekommandeur nicht vergessen – ihm wurden Filme, Theaterstücke, Gemälde und Skulpturen gewidmet.
Zeitschrift "Volksrächer" der Saslonow-Partisanenbrigaden, 1944
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