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Man schrieb sie überall, wo und wann man nur konnte, in Wohnbunkern und in den Pausen zwischen den Schlachten. Man schrieb sie auf Tapeten, in Schulheften und Geschäftsbüchern…

Handgeschriebene Partisanenzeitschriften wurden gemeinsam mit wichtigen Akten aufbewahrt. Sie enthielten Tatsachen über den Kriegsalltag, berichteten über Kämpfe und Helden. Selbstgemachte „Hefte" wurden lebendig gemacht – durch Illustrationen und witzige Geschichten. Wer eine Zeitschrift in die Hände bekam, las sie in der Hoffnung, dass der Krieg bald zu Ende ist. Diese Hefte gaben Mut. Auch in den Zeiten, wenn man vom Feind hoffnungslos eingekesselt war, konnte niemand daran denken, die handgeschriebenen Zeitschriften preiszugeben – man vergrub sie samt Munition in der Erde oder versteckte in Sackleinen in den Wäldern. Durch das Feuer des Krieges sind diese einmaligen Dokumentationen bis in die Gegenwart erhalten geblieben.
„…Alles, wofür ich lebte, ging in den ersten Kriegstagen verloren. Ich ließ in Belastok meine Lieblingsarbeit zurück, meine Freunde und den größten Schatz meines Lebens – den Sohn, der gerade die 10. Klasse beendet hatte. Wo war er? Was war mit ihm los? Von diesen Fragen wusste ich nicht mehr, wo mir der Kopf stand…"
KOMMISSARIN
ALEXANDRA SACHAROWA
Der Krieg überraschte Alexandra Sacharowa unweit der Grenze. Am Vorabend kam sie, Lektorin des Belostoker Parteikomitees, zu einem Treffen mit den Bewohnern der Grenzzone zusammen. Der Heimweg nach Belostok, wo sie ihren Sohn Shenja zurückließ, war abgeschnitten. Sie erreichte das Dorf Worotyn im Gebiet Bobruisk, wo sie durch mühsame Arbeit ihr Brot verdiente. Später begann sie ihren Kampf gegen den Feind: sie bildete junge Menschen zu Partisanen aus, kämpfe mit Volksrächern Schulter an Schulter gegen die deutsche Wehrmacht und rettete vielen Verwundeten das Leben...
Dieser Teil der „Partisanenchronik" erzählt über das Partisanenregiment der 8. Rogatschower Partisanenbrigade und seine Kommissarin Alexandra Sacharowa.

„Im Großen Vaterländischen Krieg hat der Partisanenkampf eine so große Dimension erreicht wie in keinem Krieg zuvor. Er war intensiver als seine historischen Vorgänger. Die Menschen gehen in Massen zu den Partisanen über, auch die Frauen, die eine an Wunder grenzende Opferbereitschaft an den Tag legen… Bauer, Arbeiter, Intelligenz – alle, die in den Partisanenabteilungen kämpfen, gehen mit allen verfügbaren Mitteln und Kunstgriffen des Kampfes so meisterhaft um, dass dem deutschen Kommando davon übel wird..."

Auszug aus der Partisanenzeitschrift „Komsomol des Oblast Rogatschow", Nr. 1, 12/1943
Sekretär des Untergrundkomitees der KP(b)B im Gebiet Brest Sergej Sikorski dankt der Kolchosbäuerin Maria Schisch für ihre drei Söhne, Kämpfer in Partisanenabteilungen. Foto BELTA
„Selbstbeherrscht, ausdauernd. A. Sacharowa hat sich als Kämpferin in Partisanenabteilungen unermüdlich für die Belange einfacher Menschen eingesetzt. Sie nutzte ihr pädagogisches Wissen in vollem Umfang, um Bürger über die aktuellen Ereignisse aufzuklären und ihnen die Überzeugung zu vermitteln, dass der Feind vernichtet wird. Wie eine richtige Bolschewistin engagierte sie sich nachdrücklich bei der Erziehung und Förderung junger Politarbeiter. Bei allen Partisanenabteilungen des Rogatschower Verbandes genoss sie großes Ansehen", geht aus einer Beurteilung für A. Sacharowa hervor.

Selbstgebautes Messer – ein Partisanengeschenk für Alexandra Sacharowa
Eintrittskarte für die Vorlesung der Kommissarin Sacharowa, 1944
Alexandra Sacharowa (rechts), 1944
„Das war ein Kampf mit Wort und Tat. In der linken Hand eine MPi und in der rechten – ein Notizblock mit Bleistift. Ich kämpfte zusammen mit anderen Partisanen und teilte alle Nöte des Lebensalltags. Eine der Abteilungen der Rogatschower Brigade Nr. 8 hat mich zur Parteisekretärin gewählt, und am 1. November 1943 – zur Kommissarin des 255. Regiments. In der ersten Versammlung habe ich gesagt, wir brauchen eine Regimentsfahne. Diese haben wir dann selbstständig angefertigt. Wir suchten einzelne Stoffstücke zusammen, färbten sie in den Rot-Ton um. Weißes Nähgarn haben wir mit Acrichinum-Pulver goldfarben bestrichen…"

Aus den Erinnerungen von Alexandra Sacharowa
Alexandra Sacharowa. Autor Sergej Romanow, 1944
Feierliche Übergabe der Regimentsfahne. Kreis Rogatschow, Ende November.


Fahne der 8. Rogatschower Brigade des 255. Regiments
„Das Wappen und den Text hat unser Regimentsmaler angefertigt, eine Partisaninnen-Gruppe hat die Fahne bestickt. Vor dieser Fahne haben Partisanen den Fahneneid geschworen, sie wurde in Kämpfen von einer Kugel getroffen… das alles spielte sich in den Wäldern von Osjory bei Rogatschow ab, unweit des Dorfes Salitwinje".

Aus den Erinnerungen von Alexandra Sacharowa
Fahnenstickerin
Autor der Fahnenskizze des 225. Regiments war Maler Sergej Romanow, verdienter Künstler der BSSR. Geboren in Moskau absolvierte er die pädagogische Kunstfachschule und wurde kurz vor dem Krieg zur Armee einberufen.

Die schweren Kämpfe um Kiew 1941, Einkreisung, Rückzug und Gefangenschaft 1942, die Flucht aus dem KZ und der Partisanenkampf in Weißrussland… Sergej Romanow hat seine Kriegserfahrungen auf das Malpapier übertragen. Als Mitglied der 8. Rogatschower Partisanenbrigade war er für die künstlerische Gestaltung der Zeitschrift „Komsomol des Oblast Rogatschow", der Flugblätter und Wandzeitungen verantwortlich.

Selbst in schweren Stunden des Krieges fehlte es in handgeschriebenen Büchern nicht an Humor. Sergej Romanow war ein echter Meister der politischen Karikatur. Seine Zeichnungen sind gepägt vom leichten und bissigen Sarkasmus bis hin zu auffallend groben Stilzügen der Plakatkarikatur. Er malte in handgeschriebenen Zeitschriften und nach dem Krieg 30 Jahre lang im Satiremagazin „Woshyk" (dt. Igel).
Sergej Romanow, Selbstporträt, 1944
Vorbereitung zum Kampfauftrag. Gomeler Oblast, 1944. Foto aus dem Museumsarchiv
Zeichnungen von Sergej Romanow, 1943
„Bei einem Bombenangriff auf das Partisanenlager wurde sie am Ellenbogen verwundet und im Mai 1944 zur medizinischen Rehabilitation in das sowjetische Hinterland gebracht. Auf Beschluss des Rogatschower Parteikomitees KP(b)B wurde die Genossin Sacharowa mit dem Orden des Roten Sterns ausgezeichnet".

Aus der Beurteilung von Alexandra Sacharowa




Über die Auszeichnung mit dem Lenin-Orden erfuhr Alexandra Sacharowa im Spital. Hier überraschte sie eine weitere freudige Nachricht. Ihr Sohn lebte! Ihm gelang es, über die Frontlinie zu gehen. Er ging zur Armee und kämpfte gegen den Feind.

Nach dem Krieg hatte Sacharowa verantwortungsvolle Ämter in der Partei und im Staatsapparat inne. Eine Zeit lang war sie stellvertretende Vorsitzende des Präsidiums des Obersten Rates der BSSR.

Kleid von Alexandra Sacharowa, genäht nach militärischem Muster in einer Partisanenwerkstatt. Gelbes Abzeichnen bedeutet Verwundung
Bild „Partisanenlager", gestickt von Sacharowa zur Erinnerung an ihre Partisanenvergangenheit
Handgeschriebene Partisanenzeitschrift „Komsomol des Oblast Rogatschow", Nr.1, 12/1943
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