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Man schrieb sie überall, wo und wann man nur konnte, in Wohnbunkern und in den Pausen zwischen den Schlachten. Man schrieb sie auf Tapeten, in Schulheften und Geschäftsbüchern…

Handgeschriebene Partisanenzeitschriften wurden gemeinsam mit wichtigen Akten aufbewahrt. Sie enthielten Tatsachen über den Kriegsalltag, berichteten über Kämpfe und Helden. Selbstgemachte „Hefte" wurden lebendig gemacht – durch Illustrationen und witzige Geschichten. Wer eine Zeitschrift in die Hände bekam, las sie in der Hoffnung, dass der Krieg bald zu Ende ist. Diese Hefte gaben Mut. Auch in den Zeiten, wenn man vom Feind hoffnungslos eingekesselt war, konnte niemand daran denken, die handgeschriebenen Zeitschriften preiszugeben – man vergrub sie samt Munition in der Erde oder versteckte in Sackleinen in den Wäldern. Durch das Feuer des Krieges sind diese einmaligen Dokumentationen bis in die Gegenwart erhalten geblieben.
Am 1. Januar 1944 hatte ein Diversionstrupp der Partisanenabteilung „Sa Rodinu" (Für die Heimat) einen wichtigen Auftrag zu erfüllen - er sollte einen feindlichen Zug, der an die Front fuhr, zum Entgleisen bringen. Der Auftrag wurde perfekt ausgeführt – die Partisanen sprengten den Militärzug, töteten und verletzten Hunderte Wehrmachtsoldaten. So haben die Kämpfer einer der zahlreichen Partisaneneinheiten im Gebiet Minsk das Neue Kriegsjahr des Freiheitskampfes begangen.
NEUJAHR IM KRIEG
In der Ausgabe Nr.4 der Partisanenzeitschrift „Patriot Rodiny" (Patriot der Heimat), die auf 1944 datiert und in der Abteilung „Sa Rodinu" der Brigade „Belarus" erschienen war, hieß es:

„Jeder Diversant brannte in dem Wunsch, einen feindlichen Militärzug so schnell wie möglich zu sprengen und damit der Heimat ein Neujahrsgeschenk zu bereiten… Das kommende Jahr 1944 wird unsere Herzen noch stärker machen. Lasst uns den Feind mit neuen Kräften schlagen, damit wir in diesem Jahr unseren endgültigen Sieg feiern können."

Solche Worte spiegelten die allgemeine Neujahrsstimmung in zahlreichen Partisaneneinheiten wider.
Selbst in sehr schweren Zeiten des Krieges war die Tradition, das Neujahrsfest zu begehen, nicht erloschen. Nur waren die Umstände anders, anders wurden auch Glückwünsche formuliert.
Aus den Erinnerungen des Kommandeurs der Partisanenabteilung „Sa Rodinu" Pjotr Gontscharow:

„Unsere Abteilung von ca. 400 Mann operierte im Kreis Rudensk, 25 km von Minsk entfernt. Da der Feind in der Nähe war, mussten wir ständig vorsichtig bleiben. Ich habe deshalb meine Kämpfer nie locker gelassen, selbst an Feiertagen. Spirituosen waren verboten. Aber die Partisanen konnten sich auch ohne dieses Neujahrs-Attribut vergnügen."
Die Partisanen schufen eine festliche Atmosphäre wie sie nur konnten. Im Lager wurde immer ein Tannenbaum geschmückt, aber nicht mit Bonbons oder Spielzeug. Als Schmuck dienten leere Hülsen, Granaten und sogar Minen… Manchmal schmückte man den Tannenbaum mit Zapfen oder mit Spielzeug, das man aus den alten Zeitschriften oder Illustrierten selbst bastelte.
Neujahrsbaum im Untergrund. Foto aus dem Museumsarchiv
Kurz vor Mitternacht wurden in Partisanenabteilungen Glückwünsche verlesen und Ergebnisse zusammengefasst. Anschließend wurde den besten Kämpfern Dank ausgesprochen.
Gesprengte Brücken und vernichtete Panzer, entgleiste Militärzüge, getötete Faschisten und befreite Gebiete – darüber sprachen die Partisanen auf der Neujahrsversammlung. Danach setzte man sich gemeinsam an einen Tisch. Der Kommandeur gab zu Befehl, das festliche Mittagessen „besser als sonst" zuzubereiten.
Partisanenküche, Winter 1943. Foto aus dem Museumsarchiv
Wir haben auch den Einheimischen gratuliert. In Tarnmäntel als Ded Moros (Großväterchen Frost) und Snegurotschka (Schneemädchen) gehüllt, fuhren wir mit dem Stabschef in Schlitten über die Dörfer und brachten Brot und Plätzchen für die Kinder. Es gab ein Lieder-Ensemble in der Abteilung, das aus sieben Personen bestand."

Aus den Erinnerungen des Kommandeurs der Abteilung „Sa Rodinu" Pjotr Gontscharow

Partisanen spielten und sangen nicht nur für die Kameraden: auf die Gesangdarbietungen freute sich am öftesten die einheimische Bevölkerung. In den nahegelegenen Dörfern informierten die Partisanen die Bauern über die neuesten Ereignisse von der Front und unterhielten sich mit ihnen. Die Kinder warteten besonders auf den Partisanen-Ded-Moros. Trotz Hunger und Not bemühten sich die Kämpfer immer, ein richtiges Fest zu organisieren.
„In der Familienlager-Schule, die unter dem Partisanenschutz stand, kamen Schüler, jetzige und künftige Pioniere zusammen, um das Neue Jahr 1944 zu begrüßen. In der Mitte wurde eine sehr schön geschmückte Neujahrstanne aufgestellt. Abteilungskommissar Fjodor. B. hielt einen Vortrag über den 25. Jahrestag der BSSR. Nach dem Vortrag zeigten die Schüler ihr künstlerisches Programm. An diesem Abend erhielten die Kinder Geschenke von den Partisanen, darunter Schuhe, Kleidung, Schulsachen…"

Auszug aus der Zeitung „Sarja", 5. November 1944
Das neue Jahr 1944 zelebrierten die Partisanen mit einer besonderen Hoffnung. Im auslaufenden Jahr 1943 hat die Rote Armee dem Feind einen Vernichtungsschlag versetzt und über die Hälfte aller besetzten Gebiete zurückerobert. Die Partisanenbewegung wuchs rasant. Der Erfolg der Sowjetarmee verlieh Menschen neue Kraft und Mut im harten Kampf gegen die Deutschen. Ganze Dörfer gingen zu den Partisanen über. Allein in den Monaten August bis Mitte September sind mehr als 17,5 Tsd. Personen in die Reihen der Volksrächer eingetreten. Vor ihnen lagen große Siege und private Niederlagen, verlustreiche Kämpfe und großartige Heldentaten ordinärer Menschen… Menschen, die im Neuen Jahr 1944 an einen überzeugenden Sieg über das Hitlerdeutschland glaubten und für die Freiheit und Unabhängigkeit ihrer Heimat kämpften.
Handgeschriebene Zeitschrift „Patriot Rodiny", Ausgabe Nr.4, Abteilung „Sa Rodinu", Partisanenbrigade „Belarus", Januar 1944
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