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Man schrieb sie überall, wo und wann man nur konnte, in Wohnbunkern und in den Pausen zwischen den Schlachten. Man schrieb sie auf Tapeten, in Schulheften und Geschäftsbüchern…

Handgeschriebene Partisanenzeitschriften wurden gemeinsam mit wichtigen Akten aufbewahrt. Sie enthielten Tatsachen über den Kriegsalltag, berichteten über Kämpfe und Helden. Selbstgemachte „Hefte" wurden lebendig gemacht – durch Illustrationen und witzige Geschichten. Wer eine Zeitschrift in die Hände bekam, las sie in der Hoffnung, dass der Krieg bald zu Ende ist. Diese Hefte gaben Mut. Auch in den Zeiten, wenn man vom Feind hoffnungslos eingekesselt war, konnte niemand daran denken, die handgeschriebenen Zeitschriften preiszugeben – man vergrub sie samt Munition in der Erde oder versteckte in Sackleinen in den Wäldern. Durch das Feuer des Krieges sind diese einmaligen Dokumentationen bis in die Gegenwart erhalten geblieben.
„Um 7 Uhr morgens wurde die gesamte Abteilung durch lautes MG-Feuer alarmiert. Alle haben ihre Positionen eingenommen… Es war eine entscheidende Minute, eine Pause, nach der der Kampf entbrennen musste..."
780 TAGE IM FEINDLICHEN HINTERLAND.
10. SHURAWITSCHI'ER PARTISANENBRIGADE
„Am 2. Oktober 1943 kämpften die Partisanen der 265. Abteilung der 10. Shurawitschi'er Brigade der Gomeler Oblast ihr letztes Gefecht. Kommissar Karp Dratschew hat dieses Ereignis im Tagebuch „780 Tage im feindlichen Hinterland" eindrucksvoll beschrieben.
März 1943… ein halbes Jahr vor der Schlacht… Dratschew stellt 10 Kämpfer zusammen und zieht in eine andere Gegend östlich des Dnepr. Vereint mit der Kompanie von Ignati Dikan vernichtet diese Gruppe einen befestigten Polizeiposten in Gorodez und stellt in diesem Raum Basis für eine massenhafte Partisanenbewegung sicher. Die 265. Abteilung wächst dauernd durch Neuaufnahmen und wird anderthalb Monate später in die 10. Shurawitschi'er Brigade eingegliedert.
„Täglich kamen neue Kämpfer in die Abteilung, mit und ohne Waffen, junge Leute, Erwachsene und Fräulein."

Auszug aus der Zeitschrift „Woroschilowez", 265. Partisanenabteilung, 1943
Familienlager. Foto BELTA
Kommissare der 10. Shurawitschi'er Brigade waren Ignati Dikan und Karp Dratschew.
K. Dratschew. Foto aus dem Museumsarchiv
„An der Spitze der Partisanenbrigade marschiert ihr Kommandeur Karp Dratschew. Es war ein mittelgroßer Mann von etwa fünfundvierzig Jahren… Er war schlicht, mit dem Ausdruck rauhen Stolzes. Er kann auf so viel stolz sein…"

Auszug aus der Zeitschrift „Woroschilowez", 265. Partisanenabteilung, 1943
Dikans Schulterklappen
Dikans Mütze
Dikans Pelzmütze
I. Dikan. Foto aus dem Museumsarchiv
Aus der Brigade von Shurawitschi entstand unter Leitung von Kommissar Ignati Dikan eine gewaltige Partisanenbewegung in der Gomeler Oblast. Für seine hervorragenden organisatorischen Fähigkeiten und seine Verdienste im Kampf wurde er auf Beschluss des Rates der Volkskommissare der UdSSR vom 16. September 1943 zum Generalmajor ernannt. Von Oktober 1943 an leitete er die operative Gruppe des Belarussischen Stabs der Partisanenbewegung beim Militärischen Rat der 1. Belarussischen Front.
Foto aus dem Museumsarchiv
Im Frühjahr 1943 wurden 110 Kämpfer eingekreist. Die Kräfte waren ungleich: Die Zahl der faschistischen Soldaten übertraf die der Partisanen um das Zehnfache… Das Gefecht bei Kamenka gehört zu den ruhmreichsten Seiten der Kampfgeschichte der 265. Abteilung.
„Verräter hatten Kanonen, gepanzerte Fahrzeuge, Dutzende Granatwerfer und Maschinengewehre. Die Kämpfer um Dratschew haben im Laufe des Tages 10 erbitterte Kampfangriffe bestanden, alle Faschisten vernichtet und sind aus der Umzingelung ausgebrochen. Genosse Dratschew ging mit gutem Beispiel voran und kämpfte mutig und hingebungsvoll."

Auszug aus der Zeitschrift „Woroschilowez", 265. Partisanenabteilung, 1943
Trotz Schwierigkeiten des Kriegsalltags und zermürbende Kampfhandlungen fanden die Kämpfer Zeit für kreative Stunden. „Der Sommer 1943 war zu Ende. Der Herbst begann. Vögel schlossen sich zu Schwärmen zusammen, um in wärmere Gefilde zu fliegen. Kein Nachtigall war mehr zu hören. Doch der Kampf gegen den Feind dauerte an" – lyrisch und leicht humorvoll lesen sich manche Kampfberichte in Partisanenzeitschriften.
„Juni 1941. Eines Tages betritt Hitler – vom Kriegserfolg ermuntert – die Reichskanzlei. Er steht vor seinem Porträt und fragt es: „Sag mal, Adolf, was wird denn mit dir in 2–3 Jahren geschehen?" Das Porträt antwortet: „Mich wird man abhängen und dich aufhängen."

„Hitler-Witz" aus der Zeitschrift „Woroschilowez", 265. Partisanenabteilung, 1943
Foto aus dem Museumsarchiv
Er ist gerade mal 18 Jahre alt. Aber er hat bereits Dutzende deutsche Soldaten und Verräter getötet. „Eigentlich hatte er vor dem Krieg keinen besonderen Lebenslauf. Wie Hunderttausende Gleichaltrige lernte er in der Schule. Er war nicht einmal 16 Jahre alt als er zum ersten Mal das Donnern der Geschütze vernommen hat" – viele Biographien in der Partisanenzeitschrift beginnen auf dieselbe Art.
„Jungkommunist Wladimir Kljutschnikow hat bei Sprengaktionen 8 Militärzüge zum Entgleisen gebracht… Komsomolze und Aufklärer Alexej Aljoschkin hat nach einem Gefecht mit den Deutschen ein schweres Maschinengewehr erbeutet… MG-Schütze Iwan Duschinow (Frunse-Abteilung) deckte mutig den Rückzug seiner Abteilung gegen 200 angriffsbereite Hitlerleute."

Auszug aus der Zeitschrift der 10. Shurawitschi'er Brigade „Volksrächer", 1943
Im Herbst 1943 waren im sowjetischen Rundfunk immer öfter erfreuliche Nachrichten von der Front zu hören. Die Rote Armee drängte den Feind weiter zurück nach Westen. Die 10. Shurawitschi'er Brigade rückte zum Fluß Sosh vor, um sich mit den sowjetischen Truppen zu vereinigen.
„Wir waren umgeben von einem schwarzen Schwarm Faschisten. Auf allen Wegen wurden sie nach Westen gedrängt, hinter Sosh. „Na haus, da matki, zu Mütterchen" murmelt ein deutscher Soldat und schaut in Richtung Westen. Aber viele von ihnen finden auf Feldern und in Wäldern Belorusslands ihren Tod. Wir stehen dem feindlichen Rückzug stets im Wege, überfallen Bagagewagen und sind bereit, jedem Angriff zu widerstehen…"

Auszug aus der Kurzerzählung „Die letzten Tage im Wald" im Partisanenzeitschrift „Woroschilowez", 265. Partisanenabteilung, 1943
Partisanen präzisieren den Operationsplan. Foto BELTA
Am 2. Oktober 1943 trat die 265. Abteilung in das letzte Gefecht ein.
„Den 2. Oktober 1943 werden wir noch lange in Erinnerung behalten: an diesem Tag hat sich unsere Partisanenbrigade mit der Roten Armee vereinigt."

Auszug aus der Zeitschrift der 10. Shurawitschi'er Brigade „Volksrächer", 1943
„Letzte Warnung von der Partisanen-Wache. Danach muss ein MG seine Stimme erheben… Und auf einmal, wie aus dem Nichts, die Sowjetische Rote Armee. Hurra! Alle herkommen! Eine Begegnung mit den Seinigen! Die langersehnte Befreiung ist endlich da… Das war der letzte und sehr erfolgreiche Kampf…"

Auszug aus dem Tagebuch von K. Dratschew „780 Tage im feindlichen Hinterland"
Nach der Vereinigung mit den sowjetischen Truppen sind 418 Kämpfer und Kommandeure der Partisanenabteilungen der Roten Armee beigetreten. Für Waffentaten wurden 100 Personen zu einer Regierungsauszeichnung vorgeschlagen.
Zeitschrift „Woroschilowez", 265. Partisanenabteilung, 1943
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