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Man schrieb sie überall, wo und wann man nur konnte, in Wohnbunkern und in den Pausen zwischen den Schlachten. Man schrieb sie auf Tapeten, in Schulheften und Geschäftsbüchern…

Handgeschriebene Partisanenzeitschriften wurden gemeinsam mit wichtigen Akten aufbewahrt. Sie enthielten Tatsachen über den Kriegsalltag, berichteten über Kämpfe und Helden. Selbstgemachte „Hefte" wurden lebendig gemacht – durch Illustrationen und witzige Geschichten. Wer eine Zeitschrift in die Hände bekam, las sie in der Hoffnung, dass der Krieg bald zu Ende ist. Diese Hefte gaben Mut. Auch in den Zeiten, wenn man vom Feind hoffnungslos eingekesselt war, konnte niemand daran denken, die handgeschriebenen Zeitschriften preiszugeben – man vergrub sie samt Munition in der Erde oder versteckte in Sackleinen in den Wäldern. Durch das Feuer des Krieges sind diese einmaligen Dokumentationen bis in die Gegenwart erhalten geblieben.
Im Oktober 1941 erhielt die Redaktion der Zeitung „Komsomolskaja prawda" eine Benachrichtigung vom Kommandeur der Abteilung, zu der der Kriegskorrespondent Michail Ananjin kommandiert war. Es wurde mitgeteilt, dass er während eines feindlichen Luftangriffs bei Wjasma gefallen war. Doch es stellte sich heraus, dass es ein Fehler war: Der Kriegsberichterstatter Ananjin war nicht gefallen, sondern wurde schwer verwundet und geriet in Gefangenschaft…
KRIEGSKORRESPONDENT MICHAIL ANANJIN
M. Ananjin. 1941. Foto aus dem Archiv
Im neuen Kapitel der „Partisanenchronik" stellen wir die erste Nummer der auf September 1943 datierten maschinen- und handgeschriebenen Zeitschrift der 3. Minsker Partisanenbrigade „Volksrächer" vor. Die Ausgabe wurde 1953 in den Museumsbestand von Michail Ananjin übergeben – demselben „Komsomolka"-Bildreporter, der im fernen Jahr 1941 als gefallen gemeldet wurde…
Bilder mit der Unterschrift „Foto: Michail Ananjin" wurden vor dem Krieg sehr oft in der Zeitung „Komsomolskaja prawda" gedruckt. Als der Krieg begann, erfüllte der Bildreporter einen redaktionellen Auftrag in Riga. Später wurde er Kriegsreporter der „Komsomolskaja prawda" an der Westfront.
Foto aus dem Museumsarchiv
Im Oktober 1941 gerät schwer verwundeter Ananjin in Gefangenschaft. Nach einem gescheiterten Fluchtversuch wird er wieder in ein KZ gebracht, diesmal nach Minsk. Beim Einsteigen in Güterwagen kommt es auf dem Bahnsteig zu einem Durcheinander, so dass Michail Ananjin dieses Mal die Flucht gelingt. Seitdem ist das Leben des Kriegsreporters mit dem Minsker Untergrund verbunden.
„Gen. Ananjin M.P. kam zu uns am 6. Dezember 1941 nach einer Behandlung im Kriegsgefangenenhospital, schwer verwundet, erschöpft von Hunger, fürchterlichen Erlebnissen und Misshandlungen, die er erlitten hatte… In all diesen schweren Tagen mit uns legte er eine außergewöhnliche Tapferkeit und Findigkeit an den Tag…"

Aus der Charakteristik von M. Ananjin
Im Frühjahr 1942 trat Michail Ananjin der Untergrundorganisation bei, die in der Krupskaja-Nähfabrik agierte. Im Frühjahr 1943 wurde er zum Kompanie-Politleiter und Parteisekretär der Woroschilow-Abteilung der 3. Minsker Partisanenbrigade. Er geriet in Razzien, nahm an Kämpfen teil und bewahrte unter allen Umständen das wertvollste Parteisymbol – das Parteibuch.
„Die Arbeit im Untergrund wurde mit jedem Tag komplizierter, das Leben wurde unmöglich. Im April 1943 beschafften sich Gen. Ananjin und seine Kameraden Waffen und gingen in die Wälder zu den Volksrächern… Sechzehn Monate kämpfte Ananjin in den Reihen der Partisanen. Er zeigte sich als ein mutiger, parteitreuer Kämpfer der Sowjetmacht."

Aus der Charakteristik von M. Ananjin
Vorbereitungen auf die Operation. 1943. Foto aus dem Museumsarchiv
Michail Ananjin beteiligte sich an vier Partisanenkämpfen in den Kreisen Puchowitschi und Schazk. Einmal wollten die deutschen Truppen nahe dem Dorf Saretschje eine Brücke über Ptitsch besetzen und eröffneten auf die im Hinterhalt sitzenden Partisanen ein blindwütiges Feuer. Politleiter Ananjin wurde schwer verwundet, verließ aber das Schlachtfeld nicht und hielt die Brücke solange fest bis die Hauptmasse der Streitkräfte heranrückte. Im November 1943 hat das Brigadekommando beschlossen, Michail Ananjin für seine persönlichen Eigenschaften und seine Verdienste mit dem Rotbanner-Orden auszuzeichnen und ihn zum Leutnant zu befördern.
Er erlebte viel: In hartnäckigen Kämpfen um die Befreiung von Belarus wurde er im Sommer 1944 wieder verwundet und nahm nach einem Aufenthalt im Hospital seine Aufgaben als Bildkorrespondent der „Komsomolskaja prawda" wieder wahr.
Nach dem Krieg wurde Fotojournalist Michail Ananjin zum Mitglied der Journalistenunion der UdSSR. Ihm wurde der Ehrentitel „Verdienter Kulturarbeiter der BSSR" verliehen. Im Verlag „Belarus" erschienen Autorenalben des Fotokünstlers „Heldenfestung Brest", „Chatyn", „Beloweshskaja Puschtscha", „Im Namen des Lebens" – sie brachten ihm unionsweite Anerkennung.
M. Ananjin. 1943. Foto aus dem Museumsarchiv
Erinnerungsstätte „Chatyn". Foto M. Ananjin, BELTA, 1973
Arbeiter. Foto M. Ananjin, BELTA, 1973
In der Kolchose „Raswet", Gebiet Mogiljow. Foto M. Ananjin, BELTA, 1955
Handgeschriebene Partisanenzeitschriften sind eine unikale historische Quelle: hier wurden Verfügungen des Oberkommandos der Streitkräfte, Meldungen des Sowjetischen Informationsbüros, Lageberichte und allerlei Informationen über die Partisanenbewegung veröffentlicht. Aus den handgeschriebenen Heften wissen wir zum Beispiel sehr detailliert, wie die Partisanenversammlungen verliefen.
Am 8. September 1943 erhalten die Partisanen eine aktuelle Meldung des Sowjetischen Informationsbüros, in der über den Sieg der Roten Armee und ihrer Verbündeten informiert wird. Auf Donbass seien faschistische Truppen vernichtet worden, Italien habe bedingungslos kapituliert, heißt es darin. Die Partisanen wollen so schnell wie möglich diese wichtigen und freudigen Nachrichten besprechen. Die Partisanenzeitschrift hat diese Szenen im Beitrag „Unsere Versammlung" detailgetreu festgehalten:
Fotos von Ananjin sind beredtes Zeugnis der Partisanentreffen, Versammlungen und Besprechung militärischer Operationen.
Besprechung einer Kampfoperation. 1943. Foto aus dem Museumsarchiv
NIEMALS VERGESSEN
...eine derartige Massenvernichtung von Menschen durch die deutsch-faschistischen Eroberer hat es in der Geschichte noch nie gegeben. Mit welch unmenschlicher Grausamkeit werden die hilflosen Alten von den deutschen Soldaten verhöhnt. Sie machen selbst vor Kindern nicht halt… In einem der Appelle des deutschen Oberkommandos an die Soldaten, der bei einem gefallenen deutschen Leutnant gefunden wurde, heißt es: „Töte jeden Sowjetrussen, mach nicht halt, auch wenn du einen Greis oder eine Frau, ein kleines Mädchen oder einen Jungen vor dir hast – töte, denn dadurch rettest du dich vorm Untergang, sicherst die Zukunft deiner Familie und erwirbst dir ewigen Ruhm…"

Auszug aus der Zeitschrift „Volksrächer", Nr. 1, 1943
Zeitzeugen blutiger Gräueltaten der faschistischen Henker in Belarus gibt es mit jedem Jahr immer weniger. Aber diese Taten bleiben für immer in Erinnerung von Menschen. In der Zeitschrift mit dem Titel „Über die Gräueltaten des Faschismus" sind Geschichten von Partisanen versammelt.
Als am 3. Januar 1943 eine Vernichtungsgruppe in das Dorf Rybzy bei Rudensk kam, wurden 157 Menschen bestialisch ermordet und in ihren Häusern verbrannt...
„Partisanin Motja Kaspirowitsch erinnert sich: „Ich sitze zu Hause, auf einmal kommt eine Gruppe deutscher Soldaten rein. Mein 6 Monate junger Sohn Kolja schlief in der Wiege, der Faschist tötete ihn. Die 7-jährige Galja flehte die Bestie an: „Bitte, Onkel, nicht schießen, ich bin nicht schuld", aber der Faschist tötete auch sie. Als meine dreijährige Tochter Toma in Tränen ausbrach, schoss der Faschist ihr mit einer Maschinenpistole in den Kopf. Ich saß, von Entsetzen gepackt, auf dem Ofen… Der Deutsche schoss auf mich und traf mich am Arm und an der Körperseite. Er dachte, dass ich tot war, verließ das Haus und zündete es an. Ich rannte nach draußen und versteckte mich..."

Auszug aus der Zeitschrift „Volksrächer", Nr. 1, 1943
Selbst die gotteslästerliche Verwendung von religiösen Sprüchen, die die Koppelschlösser der Wehrmacht-Soldaten zierten, konnte über die wahre unmenschliche Natur der faschistischen Ideologie nicht hinwegtäuschen. Die blutigen Gottlosen rechtfertigten durch diese Sprüche ihre Untaten. Die Partisanenfeder stellt kurz und bündig dar, welche Masken die Hitler-Barbaren trugen.
„Auf Koppelschlössern deutscher Soldaten ist der Name Gottes zu lesen. Mit ihm will Hitler das Räubergesicht seiner gottlosen teuflischen Armee verhüllen… Die Deutschen verbrennen Gotteshäuser und Kirchen samt Ikonen. Die Deutschen betreten die Kirche, ohne die Kopfbedeckung abzunehmen, und brechen alle moralischen Regeln der heiligen Kirche…"

Auszug aus der Zeitschrift „Volksrächer", Nr. 1, 1943
Partisanen hören eine Meldung des Sowjetischen Informationsbüros. 1943. Foto aus dem Museumsarchiv
Jedes Partisanenheft war einmalig, nach Form und Inhalt, denn die spezifischen Umstände, unter denen die Zeitschriften entstanden und veröffentlicht wurden, waren jedes Mal anders. Allgemein thematisch waren sie geprägt von der Darstellung von Kampfhandlungen der Partisanenverbände oder enthielten Berichte über die erfüllten Kommandobefehle. Aber in diesen Zeitschriften war immer Platz für solche anscheinend untypischen Genres wie Poesie. Sogar der Krieg konnte den kreativen Funken begabter Menschen nicht auslöschen. Satirisch und mit einer großen Portion Ironie präsentiert Dichter und Liedermacher Nikolai Fedulin in seiner Parodie „Rommel berichtet Hitler über das Ende des Feldzuges in Afrika" eine spaßige Darstellung wichtigster Weltereignisse der damaligen Zeit. Die Partisanen kugelten sich vor Lachen, als sie dieses Gedicht lasen.
Nikolai Fedulin schrieb seine poetischen Zeilen nicht nur auf das Zeitungs- sondern auch auf das Notenpapier.
Beim Vorlesen eines Befehls. 1943. Foto aus dem Museumsarchiv
Mit großer Freude haben wir uns den Inhalt unserer Partisanenzeitschrift „Volksrächer" angehört. Die Zeitschrift spiegelt alles wider, was wir gesehen und erlebt haben. Wir sind stolz auf unser sowjetisches Volk, das lebt, kämpft und seine Kultur unter allen Bedingungen weiterentwickelt, auch wenn sich die Hitler-Meute so sehr darum bemüht, dieses Volk zu vernichten. Die Partisanen sind heiter. Sie lieben ihre Heimat und glauben an den baldigen Sieg über Faschismus. Das alles ist auf den Seiten dieser Zeitschriftausgabe zu spüren."

Auszug aus der Zeitschrift „Volksrächer", Nr. 1, 1943
Nach dem Krieg sind schon viele Jahre vergangen. Heute ist es nicht mehr möglich, sich in die Atmosphäre jener tragischen und heldenhaften Zeit hineinzufühlen. Deshalb waren die unbefangensten Leser und die objektivsten Kritiker der Partisanenzeitschriften die Kämpfer selbst. Die Partisanen waren lebendige Zeugen und Teilnehmer jener Ereignisse, die als wertvolle Erinnerungen in den Museumsbeständen behutsam aufbewahrt werden...
Handgeschriebene Partisanenzeitschrift „Volksrächer", Nr. 1, 1943
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