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Man schrieb sie überall, wo und wann man nur konnte, in Wohnbunkern und in den Pausen zwischen den Schlachten. Man schrieb sie auf Tapeten, in Schulheften und Geschäftsbüchern…

Handgeschriebene Partisanenzeitschriften wurden gemeinsam mit wichtigen Akten aufbewahrt. Sie enthielten Tatsachen über den Kriegsalltag, berichteten über Kämpfe und Helden. Selbstgemachte „Hefte" wurden lebendig gemacht – durch Illustrationen und witzige Geschichten. Wer eine Zeitschrift in die Hände bekam, las sie in der Hoffnung, dass der Krieg bald zu Ende ist. Diese Hefte gaben Mut. Auch in den Zeiten, wenn man vom Feind hoffnungslos eingekesselt war, konnte niemand daran denken, die handgeschriebenen Zeitschriften preiszugeben – man vergrub sie samt Munition in der Erde oder versteckte in Sackleinen in den Wäldern. Durch das Feuer des Krieges sind diese einmaligen Dokumentationen bis in die Gegenwart erhalten geblieben.
SATIRE UND HUMOR VON NIKOLAI GURLO
Im Juni 1941 überfiel die deutsche Wehrmacht die Sowjetunion. Wenige Tage nach dem Kriegsbeginn legte die Luftwaffe die Stadt Minsk in Schutt und Asche. Die besetzte Stadt stand in Flammen…

„Als Gurlo durch die verbrannte Stadt streifte, schwor er Rache an den Faschisten. Wie viele andere Patrioten des Sowjetlandes trat er seit den ersten Tagen des Krieges in den Kampf gegen den Faschismus ein." So fängt die Kriegsbiographie des belarussischen Malers Nikolai Gurlo an, geschildert in der Zeitschrift „Partisanskaja borba" (Partisanenkampf) der Kalinin-Partisanenabteilung der Brigade „Prawda" (Ausgabe Nr.1, 10/1943).
Zur Information: Nikolai Wassiljewitsch Gurlo, geb. am 15. Mai 1914 in Kamenskoje (Dnepropetrowsk). Maler und Grafiker. Mitglied der Belarussischen Maler-Union. Plakatmaler und Buchillustrator. Publikationen in belarussischen Zeitungen und Zeitschriften. Teilnehmer der Partisanenbewegung im Großen Vaterländischen Krieg. Auszeichnungen: Orden des Roten Sterns, Medaillen, Ehrenurkunde des Obersten Rates der BSSR. Gestorben am 4. September 1980.

Gurlo war Mitglied der Minsker Untergrundgruppe „Tatjana" (bis 1943) und anschließend Partisan. Sein Kampf in den Reihen der Untergrundgruppe wurde detailliert im Artikel „Rache an Faschisten" in der Rubrik „Unsere Helden" dargestellt.
„Er beschafft sich ein Rundfunkapparat, hört sich Meldungen von der Front ab und informiert die Bevölkerung von Minsk. Er wohnt nicht weit von Kriegsgefangenenlagern und kommt durch zuverlässige Kontaktpersonen mit ehemaligen Kämpfern, Kommandeuren, Politleitern der Roten Armee in Verbindung. Vielen von ihnen hilft er bei der Flucht. Er bewältigt zahlreiche Aufgaben bei der Ausstellung von Dokumenten an sowjetische Patrioten."

Auszug aus der Zeitschrift „Partisanskaja borba" der Kalinin-Abteilung der Brigade „Prawda", Nr. 1, 10/1943
Porträt von Nikolai Gurlo, gemalt von seiner Tochter Nina, 1994
Nikolai Gurlo hielt Verbindung zur Partisanengruppe im Kreis Logoisk (Minsk). Er versorgte Partisanen mit Nachrichten des Sowjetischen Informationsbüros und Waffen. Bei einer solchen Aktionen wurde sein Vater von einem Verräter getötet. Im Frühjahr 1943 wurden Nikolai und seine Bruder gefangengenommen.

Unterwegs in die deutsche Zwangsarbeit hat er 20 Gefangenen zur Flucht verholfen. Auch er konnte entfliehen. Anfang Juni 1943 geriet Nikolai Gurlo in eine Partisanenabteilung. Dort setzte er seinen Kampf gegen die Deutschen als Kämpfer und Maler fort.
Vorbereitung der Zeitschrift "Mstitel", 1944. Rechts Nikolai Gurlo. Foto aus dem Museumsarchiv
Über 100 Aufzeichnungen und eine Porträt-Galerie seiner Mitkämpfer – Gurkos Werke stellen eine einmalige künstlerische Lebens- und Kampfchronik der Partisanen dar. Einen gewichtigen Teil seines Kriegsschaffens bilden satirische Grafiken.
Der eigenständige belarussische Maler Nikolai Gurlo hat sich als ein ausgezeichneter Meister für Politik- und Alltagssatire bewährt. Seine Satire-Werke wurden in den handgeschriebenen Partisanenzeitschriften „Wperjod" (Vorwärts) (Nr.1) und „Mstitel" (Rächer) (Nr.2) der Brigade „Prawda" veröffentlicht.
In Gurlos Karikaturen und Comic-Zeichnungen verbinden sich Humor, skurrile Phantasie, Bitterkeit und Hoffnung auf eine besondere Art und Weise. Seine Satire wirkt dank einer treffenden Kombination aus Wort und Bild besonders entlarvend.
Foto aus dem Museumsarchiv
In jeder handgeschriebenen Zeitschrift ist die bildhaft-künstlerische Darstellung der Geschichte des Partisanenkrieges zu finden. In der Reportagegrafik wird das Schicksal belarussischer Maler im Krieg widergespiegelt.
Die handgeschriebenen Partisanenbücher und Hefte enthalten über 3000 Illustrationen. Sie wurden sowohl von Laien als auch von professionellen Künstlern angefertigt, darunter von Genrich Brshosowski, Sergej Romanow, Wladimir Suchowerchi und Nikolai Gurlo.
In der Redaktion der Zeitschrift "Woshyk". Am Tisch - Nikolai Gurlo (zw. links), 1958. Foto aus dem Museumsarchiv
Nach dem Krieg setzte Nikolai Gurlo sein künstlerisches Schaffen fort. 35 Jahre lang war er einer der führenden Illustratoren in der Zeitschrift für Satire und Humor „Woshyk" (Igel). Hier zeigte er sich als wahrer Meister für Politik- und Alltagssatire.
Die Literatur- und Kunstzeitschrift "Wperjod", Nr. 1, 04/1944
Die Fortsetzung folgt...
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