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Man schrieb sie überall, wo und wann man nur konnte, in Wohnbunkern und in den Pausen zwischen den Schlachten. Man schrieb sie auf Tapeten, in Schulheften und Geschäftsbüchern…

Handgeschriebene Partisanenzeitschriften wurden gemeinsam mit wichtigen Akten aufbewahrt. Sie enthielten Tatsachen über den Kriegsalltag, berichteten über Kämpfe und Helden. Selbstgemachte „Hefte" wurden lebendig gemacht – durch Illustrationen und witzige Geschichten. Wer eine Zeitschrift in die Hände bekam, las sie in der Hoffnung, dass der Krieg bald zu Ende ist. Diese Hefte gaben Mut. Auch in den Zeiten, wenn man vom Feind hoffnungslos eingekesselt war, konnte niemand daran denken, die handgeschriebenen Zeitschriften preiszugeben – man vergrub sie samt Munition in der Erde oder versteckte in Sackleinen in den Wäldern. Durch das Feuer des Krieges sind diese einmaligen Dokumentationen bis in die Gegenwart erhalten geblieben.
„Erhebt euch zum Kampf gegen den Feind der Menschheit, das faschistische Deutschland! Greift zum Gewehr und kommt zu uns in Partisanenabteilungen, um gemeinsam den Tag eurer Befreiung näher rücken zu lassen, um sich an dem Feind gnadenlos zu rächen für den Tod von Brüdern und Vätern, Frauen, Schwestern und Müttern. Wir warten auf euch! Wir werden euch wie Brüder empfangen."
JURTSCHENKO-ABTEILUNG
Sekretär des Brester Untergrundkomitees der Kommunistischen Partei Belorusslands Sergej Sikorski dankt der Bäuerin Marija Schisch für ihre drei Söhne, die als Partisanen gekämpft haben. Foto BELTA
Ende Dezember 1943 schrieben polnische Partisanen und das Kommando der Jurtschenko-Partisanenabteilung der 1. Minsker Brigade einen Appell-Brief an polnische Landsleute. Auf drei Seiten fanden Besorgnis, Entschlossenheit, Aufruf und Zuversicht auf einen baldigen Sieg ihren Ausdruck...
Foto BELTA
In den besetzten Gebieten standen über 4.000 ausländische Kämpfer Schulter an Schulter mit dem belarussischen Volk den deutschen Truppen gegenüber. In den meisten Fällen waren das Soldaten der Deutschen Wehrmacht, die ihre Waffen gegen die Besatzer richteten und zu den Partisanen übergingen, sobald sie auf dem belorussischen Boden ankamen...
Die internationale Präsenz in den Partisanenverbänden wurde nach den Siegen der Roten Armee bei Moskau, Stalingrad und Kursk immer stärker. Antifaschistische Stimmungen unter Ausländern verbreiteten sich mit einer Intensität, die vergleichbar war mit der Ausweitung der Partisanenbewegung. Die ausländischen Antifaschisten wurden zu selbstständigen Einheiten – Zügen, Kompanien und ganzen Abteilungen – zusammengeschlossen.
Das neue Kapitel der „Partisanenchronik" erzählt über die Jurtschenko-Abteilung der 1. Minsker Partisanenbrigade, die sich im Jahr 1942 aus einer kleinen Gruppe von 9 Kämpfern zu einer mächtigen Kampftruppe mit 400 Soldaten entwickelte. In den Reihen der Abteilung waren auch ausländische Antifaschisten dabei.
Die Aufstellung der künftigen Jurtschenko-Abteilung begann im Jahr 1942 in den Wäldern von Begoml. „Als Propagandisten und Agitatoren, Waffensammler und Organisatoren der Massen kämpfte eine sehr kleine Gruppe von Kameraden aktiv gegen die deutschen Besatzungsmächte"– so beschreibt die erste Ausgabe der Partisanenzeitschrift „Rückenangriff" vom November 1943 die Bildung der Abteilung. Die Arbeit an diesem handgeschriebenen Buch begann unter dem Kommandeur Wassili Rebrow.
Kommandeur F. Jurtschenko
Wassili Rebrow ging im Juni 1942 zu den Partisanen. Am 1. September 1942 wurde er zum Stabsleiter der Partisanenabteilung gewählt. Bis Februar 1943 war er Kommandeur einer Aufklärungsgruppe der 1. Minsker Partisanenbrigade. Ab Februar 1943 war er Kommandeur der Jurtschenko-Abteilung.

Auszug aus der Zeitschrift „Rückenangriff" der Jurtschenko-Partisanenabteilung der 1. Minsker Partisanenbrigade, November 1943
Erster Kommandeur der Abteilung Fjodor Jurtschenko kam am 11. Februar 1943 bei einem Gefecht gegen die im Hinterhalt liegenden Faschisten im Dorf Skobrowka ums Leben. Das Brigadekommando hat die Abteilung nach seinem Namen benannt.
Aufklärungsgruppe der Jurtschenko-Abteilung. Foto aus dem Museumsarchiv
Die Zeitschrift „Rückenangriff" hatte mehrere Rubriken, eine davon hieß „Leute unserer Abteilung." In dieser Rubrik finden sich Porträts von Partisanen unterschiedlicher Nationalitäten, auch Slowaken, die anfangs an der Seite der Deutschen Wehrmacht kämpften.
„Wie viele andere wurde auch Josef Leszczyński von Hitler betrogen und an die Ostfront, in den Kampf gegen die Rote Armee, geschickt. Er war freiwillig zu den Partisanen übergegangen und kämpfte gegen den Feind der ganzen Menschen – gegen den blutigen Faschismus. Am 29. November 1943 war er bei einem Kampfauftrag ums Leben gekommen."
Ján Petráš war freiwillig zu den Partisanen übergegangen. Er war diszipliniert und führte Befehle des Kommandeurs präzise aus. Er nahm an Partisanenoperationen teil und zeigte sich in Gefechten gegen die deutschen Besatzer als ein tapferer und findiger Kämpfer."
Partisan Ján Petráš
Zur Information: Schulter an Schulter mit Belarussen kämpften in den Partisanenreihen rund 3000 Polen, 400 Slowaken und Tschechen, 235 Serben und Kroaten, 70 Ungarn, 60 Franzosen, 31 Belgier, 24 Österreicher, 16 Holländer, ca. 100 Deutsche, aber auch zahlreiche Vertreter anderer europäischer Völker.
Antifaschisten gingen einzeln oder in ganzen Gruppen zu den Partisanen über. Auf dem belarussischen Boden operierten ein tschechoslowakischer Zug in der Abteilung „Grosny", Brigade „Schturmowaja" (Gebiet Minsk), die polnische Tadeusz-Kosciuszko-Abteilung (Pinsker Brigade), eine polnische Kompanie in der Tschernak-Abteilung (Gebiet Brest) und ein internationaler Zug in der 600. Partisanenabteilung (Gebiet Mogiljow).
„Die Jurtschenko-Partisanenabteilung hat zum 26. Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution folgendes vollbracht: 64 gegnerische Züge zum Entgleisen gebracht, 2 gegnerische Garnisonen vernichtet, 6 Kämpfe gegen Straftrupps durchgeführt, 16 Hinterhalte angelegt. Auf der Seite des Feindes wurden 2173 Mann getötet..."

Auszug aus der Zeitschrift „Rückenangriff" der Jurtschenko-Partisanenabteilung der 1. Minsker Partisanenbrigade, November 1943
In dieser Ausgabe der handgeschriebenen Zeitschrift nehmen Agitations- und Propagandaartikel viel Raum ein. Die Propaganda prägte in vielerlei Hinsicht den Erfolg nicht nur einer einzelnen Abteilung, sondern der gesamten Partisanenbewegung in Belarus. Propagandisten und Agitatoren haben im Namen der Partisanen mit Einheimischen eng kooperiert, riefen die Menschen zum Kampf auf und „zersetzten" die Moral in den feindlichen Garnisonen.
„Von Propagandisten zum tödlichen Kampf gegen den Feind aufgerufen, waren rund 300 Menschen aus verschiedenen Dörfern gekommen… Meldungen des Sowjetischen Informationsbüros, sowjetische Zeitungen – all das dringt in die Garnisonen des Feindes und zerlegt seine Reihen, indem es sie mit dem bolschewistischen Wort der Wahrheit ansteckt. Im Endergebnis wurde allein unsere Abteilung in den letzten Monaten durch die Aufnahme von 56 Personen gestärkt, die mit Waffen aus feindlichen Garnisonen zu uns kamen, darunter ein Offizier und ein Soldat der tschechischen Armee".

Auszug aus der Zeitschrift „Rückenangriff" der Jurtschenko-Partisanenabteilung der 1. Minsker Partisanenbrigade, November 1943
Foto aus dem Museumsarchiv
„Egal wie hart unser Kampf auch sein mag, der Sieg wird unser sein" – so endet eines der Kapitel der handgeschriebenen Zeitschrift „Rückenangriff" der Jurtschenko-Partisanenabteilung. Mit diesen Worten begann auch seine Geschichte. Tag für Tag wuchs in einem kontinuierlichen Kampf, ohne die Hoffnung zu verlieren, eine kleine Gruppe von Partisanenkämpfern und wurde so für den Feind zu einer gewaltigen Kraft – einer sowjetischen, antifaschistischen und internationalen. Einer Kraft, die mehrere Völker in der Partisanenbewegung für den Kampf gegen die Wehrmacht zusammengebracht hat.
Handgeschriebene Zeitschrift „Rückenangriff", Nr.1, Jurtschenko-Abteilung der 1. Minsker Partisanenbrigade, November 1943
Die Fortsetzung folgt...
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